ein Reisebericht unserer fleißigen Trainingsbiene – Maja:

 

Nur Fliegen ist schöner!

Hamburg, Freitag der 25.03.2016, 18:30: Am Terminal 2 des Hamburger Flughafens nahe beim Schalter von Norwegian Airways ist es unruhig, irgendetwas scheint nicht in Ordnung zu sein! Man hört laute aufgeregte Stimmen, viele tippen wie verrückt auf ihrem Handy herum. Eine zierliche Frau, die die Uniform der Airline trägt wird von einer Menschentraube umzingelt und versucht verzweifelt zu Wort zu kommen – Der Flug nach Alicante um 19:40 Uhr wurde gestrichen, neue Informationen werde es erst am späten Abend geben, alle aus Hamburg stammenden Reisenden werden dazu aufgefordert wieder nach Hause zu fahren, weiter Angereiste dürfen sich zumindest ein Hotel buchen! – In weniger als einer Sekunde ist die Stimmung am Schalter auf dem Tiefpunkt, es wird geseufzt, geschimpft, geflucht. Vor dem Informationsschalter bildet sich eine lange Menschenschlange, niemand sieht mehr zufrieden aus.

In mitten all dieser Menschen stehen drei unauffällige Personen mit umso auffälligeren Gepäckstücken und blicken etwas ratlos drein! Das sind wir! Dani, Stephan und ich, mit unseren Radkoffern! Auch wir möchten gerne heute Abend noch ins Trainingslager nach Andalusien, Aguilas. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Fluggästen ärgern wir uns weniger darüber, dass wir voraussichtlich erst am nächsten Morgen fliegen werden, sondern blicken eher seufzend auf unsere riesigen, schweren Radkoffer und verzweifeln bei dem Gedanken daran all unser Gepäck nun noch einmal hin und her schleppen zu müssen!

Ich glaub ich dreh am Rad oder auch nicht!

Unser neuer Flug geht bereits am nächsten Morgen und diesmal geht auch alles glatt. Zwar möchte der Mietwagenhändler uns den gebuchten Wagen erst nicht aushändigen, da wir zu spät dran sind, aber Stephans charmante Art beschert uns schließlich das gewünschte Gefährt. Nach einer langen Runde Tetris (der Mietwagen war für drei Radkoffer etwas klein) geht es schließlich endlich los Richtung Aguilas, wo wir von Ulli und Astrid herzlichst empfangen werden. Unsere Räder bauen wir am nächsten Morgen bei herrlichem Wetter auf! Hier sind ausnahmsweise mal die beiden Frauen (Dani und Ich) schneller bereit zum Abfahren als der Mann. Denn Stephan dreht derweil verzweifelt an seinem Hinterrad, das auf der Nabe entweder zu viel oder zu wenig Spiel hat. Nach viel Spielerei dreht sich das Rad dann schließlich gar nicht mehr – kaputt gedreht! Und während Stephan allein zurück bleibt, brechen Dani und ich zu unserer ersten Tour auf! Endlich Urlaub, Radfahren, Sonne, Meer, frische Luft genießen….nach nicht mal 10 km ist mein Reifen platt :-D. Es hätte mich auch gewundert wenn alles rund läuft! Zum Glück lässt sich das schnell beheben und wir können unsere erste Mädelstour noch voll genießen. Stephan bricht am nächsten Tag zum Radhändler auf, liebäugelt schon mit neuen Laufrädern, kehrt aber mit seinem alten Hinterrad zurück. Der Händler hat wohl etwas geschickter herumgespielt oder hat goldene Hände was Stephan nur 5 Euro kostet, etwas günstiger als neue Laufräder!

Big Brother is watching you

Die nächsten Tage haben wir endlich mehr Glück, wir bleiben von weiteren Zwischenfällen verschont, fahren viel Rad durch schöne Landschaften und laufen an einer wunderschönen Steilküste entlang!

Am Abend des dritten Tages trifft endlich auch Moritz ein und überrascht uns mit Wall-e! Wall-e ist aber keinesfalls Moritz neue Freundin sondern die Drohne die er vor seinem Abflug bei Amazon käuflich erworben hat. Wall-e wird jetzt eine häufige Begleiterin bei unseren Touren und ist bereits nach einem Tag der Touristenschreck, viele beäugen das unbekannte Flugobjekt skeptisch und wirken leicht ängstlich verstört wenn sie Wall-e über ihren Köpfen erblicken. Wir finden das eher witzig und dank Moritz und Ulli, die auch jeden Morgen früh aufstehen um im Sonnenaufgang zu filmen, entstehen tolle Aufnahmen, von der Landschaft und uns. Das Bildmaterial wird folgen! In Hamburg herrscht für Wall-e übrigens leider ein Flugverbot, weshalb Moritz sich sehr wahrscheinlich wieder von ihr trennen wird. Der Abschied wird sicherlich nicht leicht.

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Wer im Glashaus sitzt…

Die Landschaft rund um Aguilas ist recht karg… es gibt viel Orangen- und Olivenanbau. Man sieht unfassbar viele Felder mit Salatköpfen, die unter Folie vor sich hin reifen. Man sieht Gewächshäuser und Folien wo hin man schaut. Selbst das ortsansässige Schwimmbecken befindet sich in einem Gewächshaus (eine treffendere Beschreibung für diese Halle gibt es einfach nicht). Es wird vorbildlich mit Solarenergie geheizt, was allerdings leider zur Folge hat, dass man an sonnigen Tagen vor Hitze zerfließt und an Schlechtwettertagen etwas fröstelt. Nichtsdestotrotz sind wir froh darüber, dass wir schwimmen können, vor allem an unserem einzigen Regentag.

Der totale Krieg …

Am Abend haben wir seit Moritz Ankunft dann nur noch eins im Sinn: „Risiko“ und es gibt teils heftige Diskussionen um Gebietsansprüche und Weltherrschaft. Die Rollen sind aber jeden Abend die gleichen: Moritz Spielfiguren nehmen irgendwann ¾ des Spielfeldes ein, meine sind fast gänzlich eliminiert, Dani versucht ihre Aufträge zu erfüllen, wird aber immer wieder von Moritz Übermacht erschlagen, irgendwann erklärt Stephan uns den totalen Krieg, greift alles an und am Ende gewinne ich da mit mir niemand mehr rechnet 😉 !

Barriga llena, corazón contento – Voller Bauch, glückliches Herz.

Unser Trainingslager war anstrengend! Oft saßen wir viele Stunden auf dem Rad, sind zusätzlich gelaufen und geschwommen. Der wesentliche Faktor für das gute Gelingen und all den Spaß den wir hatten, war das gute Essen, das wir, zugegeben, sehr reichlich genossen haben. Neben unserem ausgiebigen Frühstück morgens auf der Sonnenterrasse und Moritz Kochkünsten, muss an dieser Stelle Astrid erwähnt werden. Insgesamt bekamen wir in den zwei Wochen einen Apfel-, einen Streusel, zwei Käsekuchen und einen Frankfurter Kranz aufgetischt. Die Aussicht auf das ein oder andere Stück Kuchen hat harte Trainingseinheiten etwas erträglicher gemacht!

 

Mach einfach weiter….

Unsere Zeit in Spanien hatte nicht nur auf dem Rad durch die wellige Landschaft seine Höhen und Tiefen. Neben den Startschwierigkeiten hatten wir nicht immer das beste Wetter, was für diese Region Spaniens eher untypisch ist. Moritz Rückflug ging genauso schief wie unser Hinflug und wir hätten gerne Kolin dabei gehabt, der krankheitsbedingt nicht mit konnte. Aber wir hatten auch wunderschöne Radtouren, haben schöne Steilküsten, Küstenstraßen, Gebirge und tolle Aussichten genossen. Wir hatte viele lustige Momente und unglaublich nette Gastgeber, bei denen immer etwas los war! Ein besonderes Highlight war ein Abendessen bei dem Schweizer Triathleten und Buchautor Lukas Gubler und seiner Frau Gitty, deren Lebensgeschichte etwas sehr Inspirierendes hat. Tiefen gibt es immer, aber darauf folgen auch immer wieder Höhen… wenn man weiter macht. Lukas Buch heißt passend dazu „Mach einfach weiter…“ . Ich finde das ist ein schönes Motto, nicht nur für die kommende Saison!

Adiós – das heißt auf „Wiedersehen“!

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